02 Hochschulbildung (TEIL 4)

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    von EnqueteSekretariat, angelegt
    1 Kapitel II/2. „Hochschulbildung“ – TEIL 4
    2
    3 (Stand: 6. Februar 2012)
    4
    5
    6
    7 **3.2 Software für Lern- und Hochschulmanagementsysteme**
    8 Dieser Abschnitt befasst sich hauptsächlich mit den
    9 Plattformen, die E-Learning ermöglichen. Allerdings sind
    10 diese Themen zunehmend miteinander verbunden. Campus
    11 Management-Software eröffnet die Möglichkeit, im Sinne eines
    12 richtig verstandenen Bologna Prozesses, die universitäre
    13 Ausbildung von starren, generellen Kurs- und
    14 Lehrplanstrukturen abzulösen und zunehmend an den
    15 Voraussetzungen, Bedürfnissen und Wünschen der einzelnen
    16 Studierenden zu orientieren. Dies beginnt schon in der
    17 Bewerbungsphase, in der Hochschulen künftige Studierende in
    18 ihre Strukturen aufnehmen. Eine Individualisierung ist dabei
    19 auch mit Herausforderungen für die Sicherung der Autonomie
    20 der Studierenden etwa im Hinblick auf ihre
    21 leistungsbezogenen Daten verbunden, über deren Bewältigung
    22 gegenwärtig diskutiert wird. Neben den großen Potenzialen
    23 der Lern- und Hochschulmanagementsysteme für Lehrende und
    24 Studierende, insbesondere was die Partizipation und
    25 Kommunikation innerhalb der Lernprozesse angeht, wird die
    26 Realisierung der Hochschulmanagementsysteme von Teilen der
    27 Studierenden und Lehrenden aber auch kritisch gesehen. [FN:
    28 vgl.:
    29 http://spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,389261,00.html
    30 und http://www.campus-innovation.de/node/29]
    31
    32 Für die Weitergabe von Daten und für IT-Projekte sind indes
    33 zwei Dinge entscheidend: zum einen die Datenformate, zum
    34 anderen die Interoperabilität. [FN: Anmerkung: Die
    35 Projektgruppe Interoperabilität, Standards, Open Source der
    36 Enquete-Kommission wird diese Themen inhaltlich aufgreifen.]
    37 Da sich die Hochschulsoftware an den einzelnen Standorten
    38 auf einem unterschiedlichen Niveau befindet, der Datenfluss
    39 aber sichergestellt werden muss, bedarf es hier neuer
    40 Herangehensweisen.
    41
    42 Voraussetzung für das Heben der genannten Potenziale ist
    43 eine frühzeitige Einbindung von Lehrenden und Studierenden,
    44 eine vorausschauende Koordination, ein fairer Wettbewerb der
    45 Anbieter von Software und die Freiheit der Hochschulen, ihr
    46 jeweiliges IT-Konzept zu realisieren. [FN: Sondervotum DIE
    47 LINKE.: angekündigt, Formulierung folgt.]
    48
    49 In der Software für Managementsysteme an Hochschulen gibt es
    50 verschiedene Ansätze, die von integrierten Systemen für
    51 alle Hochschulprozesse bis zu einzelnen Komponenten, etwa
    52 für das Campusmanagement, reichen. Der Einsatz ist je nach
    53 Bedarf und Größe der Hochschule zu entscheiden. Ein
    54 Hochschulmanagementsystem ist ein System, das alle Abläufe
    55 an der Hochschule unterstützt, während Lernmanagementsysteme
    56 (LMS) für die elektronische Lehre eingesetzt wird.
    57
    58 Es existiert eine Fülle von Produkten auf dem Markt, die
    59 sich in Bezug auf die angebotenen Funktionalitäten in vielem
    60 ähneln. Dabei kommen sowohl kommerzielle als auch Open
    61 Source-Produkte zum Einsatz. Einige große Hochschulen, wie
    62 etwa die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule
    63 Aachen, haben eigene Systeme entwickelt.
    64
    65 Ein LMS oder LCMS stellt die technische Infrastruktur für
    66 einen "virtuellen Lernraum" bereit, der parallel zu den
    67 Präsenzlernräumen einer Hochschule eingesetzt werden kann:
    68 Es besteht die Möglichkeit, dort Kurse (geschlossene
    69 virtuelle Räume) einzurichten, in denen Lernmaterialien zur
    70 Verfügung gestellt werden und in denen Lehrende und
    71 Studierenden miteinander kommunizieren und gemeinsam
    72 arbeiten können. Lernmanagementsysteme umfassen die Planung,
    73 Anmeldung, Bereitstellung von Kursunterlagen und
    74 Zertifizierung. Die Inhalte (Content) werden häufig in einem
    75 zentralen Repository vorgehalten, wobei es zum teil komplexe
    76 urheberrechtliche Regelungen zu beachten gilt (z.B. § 52a
    77 UrhG).
    78 Integrierte Hochschulmanagementsysteme umfassen:
    79
    80 * Campusmanagementsysteme − sie dienen der Verwaltung und
    81 Kontrolle aller Prozesse, die mit Studieninteressierten,
    82 Studierenden, Alumnis, der Studienverwaltung und Lehre zu
    83 tun haben;
    84
    85 * Forschungsmanagement – für die Administration von
    86 Forschungsschwerpunkten und Förderern sowie der Durchführung
    87 von Forschungsprojekten;
    88
    89 * Ressourcenmanagement − Personalmanagement,
    90 Finanzmanagement, Gebäudemanagement, Ressourcenplanung für
    91 Lehre und Forschung.
    92
    93
    94 Auch in Bezug auf die Akzeptanz von E-Learning an
    95 Hochschulen sind umfassende, integrierte Lösungen wichtig:
    96 Die Lernmanagementsysteme müssen kompatibel mit dem
    97 allgemeinen Hochschulmanagement sein. Sobald die Anmeldung
    98 zu Veranstaltungen und Prüfungen, der Abruf von
    99 Prüfungsergebnissen etc. erst einer Synchronisation bedarf,
    100 unterschiedliche Portale oder Zugangskennungen erforderlich
    101 sind, sinkt die Akzeptanz erheblich. Bedeutend ist in diesem
    102 Zusammenhang auch die Nutzung von Forschungsergebnissen für
    103 die Lehre durch deren Integration in digitale
    104 Infrastrukturen. Solange dort digitale
    105 Informationsressourcen nicht selbstverständlich genutzt
    106 werden, ist es schwierig, Lehrende vom E-Learning zu
    107 überzeugen.
    108
    109 Das Beispiel der Softwarelösungen von CampusSource macht
    110 deutlich, welche Anforderungen an E-Learning-Infrastrukturen
    111 bestehen: Die verwendete Software sollte modular aufgebaut
    112 sein und möglichst Standardschnittstellen verwenden, um die
    113 Kompatibilität mit bestehenden Infrastrukturen zu
    114 gewährleisten. Nur so ist eine Integration der Learning
    115 Management Systeme in die IT-Infrastruktur der Hochschule,
    116 etwa die Campus Management Systeme, möglich. Anstelle einer
    117 direkten Schnittstelle empfiehlt sich ein Middlewarekonzept
    118 (im hier genannten Beispiel CampusSource Engine).
    119
    120 Die in Nordrhein-Westfalen entstandene
    121 CampusSource-Initative entwickelt aus bestehenden Projekten
    122 Open Source-Projekte und bietet die entwickelten Tools über
    123 eine Software-Börse an.
    124
    125 Weitere Anforderungen an E-Learning-Infrastrukturen können
    126 sich durch standortübergreifende Ansätze auf Grund
    127 regionaler Kooperationen, wie zum Beispiel der Ruhr-Allianz
    128 der Universitäten Bochum, Dortmund, Duisburg/Essen ergeben.
    129 In dem Fall bedarf es einer standortübergreifenden
    130 Authentifizierung, der Anbindung an externe Nutzerkonten und
    131 einer performanten Nutzung, auch bei großen Zugriffszahlen.
    132 Der von CampusSource gewählte Lösungsansatz liegt im Einsatz
    133 von Middleware und einer losen Kopplung von Systemen.
    134
    135
    136 **3.3 Integriertes Informationsmanagement**
    137 Eine wichtige Kooperation der Serviceeinrichtungen der
    138 einzelnen Hochschulen, stellt das integrierte
    139 Informationsmanagement [FN: Anmerkung: Das integrierte
    140 Informationsmanagement an Hochschulen hat eine
    141 Effizienzsteigerung, Kostenoptimierung und verbesserte
    142 Dienstleistungen zum Ziel. Es geht dabei vor allem darum,
    143 für die Kernprozesse in Forschung, Lehre, Studium und
    144 Verwaltung eine softwarebasierte, möglichst nahtlose
    145 Workflow-Unterstützung ohne Medienbrüche zu erhalten. Für
    146 den organisatorischen Ablauf an Hochschulen hat das zur
    147 Folge, dass sich Kernaufgaben der Strukturbereiche
    148 (Bibliothek, Medien- und Rechenzentrum,
    149 Verwaltungsdatenverarbeitung) immer mehr zu
    150 interdisziplinären Aufgaben entwickeln. Technisch gesehen
    151 bedeutet es, dass vorhandene IT-Systeme und -Dienste
    152 aufeinander abgestimmt und interoperabel sein müssen.] dar.
    153 Seit etwa zehn Jahren ist dieses ein zentrales Thema in der
    154 deutschen Hochschulpolitik. Während die Fragestellungen um
    155 die Herausforderungen des Informationsmanagements und der
    156 Serviceintegration an Universitäten in den
    157 anglo-amerikanischen Ländern bereits in den 1980er Jahren
    158 unter dem Stichwort „convergence“ ihren Anfang genommen
    159 haben, kann inzwischen auch an deutschen Hochschulen auf
    160 eine mehrjährige Praxis in der Erprobung verschiedener
    161 Modelle zurückgeblickt werden [FN: Anmerkung: Als Beispiele
    162 sind hier einige Universitäten zu nennen, die teilweise im
    163 Rahmen der DFG-Förderinitiative Leistungszentren für
    164 Forschungsinformation – Integriertes Informationsmanagement
    165 erste Maßnahmen zur Serviceintegration ergriffen haben: Das
    166 IT-Servicezentrum der Universität Augsburg, das
    167 Informations- und Kommunikationszentrum der
    168 Humboldt-Universität zu Berlin, das IKM-Management der
    169 Universität Bielefeld, die Dienste- und Serviceintegration
    170 im IKMZ der BTU Cottbus, das Zentrum für Informations- und
    171 Mediendienste der Universität Duisburg-Essen, die
    172 IuK-Strategie für den Wissensstandort Göttingen, das
    173 Karlsruher Integrierte Informations-Management KIM.]. Als
    174 wesentliche Treiber für diese Entwicklungen auf
    175 hochschulpolitischer Ebene gelten die Deutsche Initiative
    176 für Netzwerkinformation (DINI) und die Fördermaßnahmen des
    177 Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft sowie der
    178 Deutschen Forschungsgemeinschaft.
    179
    180 Im Mittelpunkt stehen dabei Bemühungen um eine Koordination
    181 der Entwicklungen auf den Gebieten des E-Learning, der
    182 Portallösungen und des Zugangs zu digitalen
    183 Informationsressourcen. So fordert DINI in einer von zehn
    184 Thesen des Gründungspapiers Informationsinfrastruktur im
    185 Wandel – Herausforderungen für die Hochschulen und ihre
    186 Informations- und Kommunikationseinrichtungen: „Innerhalb
    187 der Hochschulen ist ein die Fachbereiche integrierendes
    188 Informationsmanagement aufzubauen. Hochschulleitungen,
    189 Fachbereiche und zentrale Einrichtungen sollten einen
    190 Hochschulentwicklungsplan für Information, Kommunikation und
    191 Multimedia erarbeiten.“ [FN: zit. nach: Degkwitz,
    192 Andreas/Schirmbacher, Peter: Informationsinfrastrukturen im
    193 Wandel. Einführung und Überblick zur aktuellen Entwicklung.
    194 In: Deutsche Initiative für Netzwerkinformationen e.V.
    195 (Hrsg.): Informationsstrukturen im Wandel.
    196 Informationsmanagement an deutschen Universitäten. Bad
    197 Honnef: o.J., S. 11. Online abrufbar unter:
    198 http://www.dini.de/fileadmin/docs/DINI_Informationsinfrastru
    199 kturen.pdf und vgl. auch:
    200 http://www.dini.de/documents/thesen.pdf]
    201
    202
    203
    204
    205 **II. Perspektiven und zukünftige Entwicklungen**
    206
    207 **1. Themenschwerpunkt: Bibliotheken und Urheberrecht**
    208
    209 Der freie Zugang zu wissenschaftlichen Informationen ist für
    210 den wissenschaftlichen Fortschrift und das wissenschaftliche
    211 Arbeiten von existenzieller Bedeutung. Das Urheberrecht darf
    212 nicht dazu führen, dass Inhalte bei kommerziellen Verwertern
    213 monopolisiert werden. Die Wissenschaft benötigt einen
    214 rechtlichen Handlungsrahmen eigener Kompetenz.
    215
    216 Die 2003 getroffenen Regelungen in § 52a Urhebergesetz
    217 (UrhG) „Öffentliche Zugänglichkeitsmachung für Unterricht
    218 und Forschung“ ermöglichen die digitale Zugänglichmachung
    219 kurzer Werkteile im Rahmen von Forschung und Bildung. Da die
    220 Verlage und Urheber durch diese Regelung weitergehende
    221 Einnahmeausfälle befürchteten, wurde sie befristet. Diese
    222 Befristung wurde mehrfach verlängert, da die Evaluierung die
    223 Fortschritte für Bibliotheken, Schulen, Hochschulen und
    224 Wissenschaftseinrichtungen aufzeigte. Zugleich wurde
    225 deutlich, dass sich die Vertragsverhandlungen zwischen den
    226 Trägern der Bildungseinrichtungen und den Rechteinhabern
    227 über die zu gewährende Vergütung schwierig gestalteten. 2010
    228 wurde der entsprechende Vertrag unterzeichnet. [An dieser
    229 Stelle folgt noch ein Text zum § 52a bzw. §53 UrhG.]
    230
    231 Der wissenschaftliche Arbeitsalltag, der mittlerweile
    232 weitgehend von der Digitalisierung bestimmt wird, wurde
    233 durch die bisherigen Novellen des Urheberrechtsgesetzes in
    234 seinen rechtlichen Rahmenbedingungen erheblich
    235 verkompliziert. Auch tragen gerade diejenigen Vorschriften,
    236 die sich mit digital vorliegenden Inhalten befassen, zu
    237 wenig den Erfordernissen einer schnellen und ungehinderten
    238 Wissenschaftskommunikation Rechnung. Dies kann
    239 innovationshemmend für den Wissenschaftsstandort Deutschland
    240 und damit auch für die Volkswirtschaft nachteilig sein. Ziel
    241 der Bemühungen könnten verlässliche, transparente, leicht
    242 handhabbare und faire rechtliche Rahmenbedingungen für die
    243 wissenschaftliche Arbeit mit publizierter Information sein.
    244 Wissenschaftliches Publizieren und die Arbeit mit
    245 wissenschaftlichen Publikationen gehören zum Kernbereich
    246 wissenschaftlicher Forschung und Lehre und genießen damit
    247 den Schutz von Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG.
    248
    249
    250 **2. Themenschwerpunkt: Offene Hochschule**
    251
    252 Durch den Einsatz von Computermanagementsystemen zur
    253 Organisation und
    254 E-Learning-Methoden zur Gestaltung von Lernarrangements
    255 haben digitale Medien in der Studienorganisation einen
    256 festen Platz eingenommen. Die Analyse dieser zeigt, dass
    257 damit vielfältige Potenziale für die Entwicklung Offener
    258 Hochschulen verbunden sind.
    259
    260 **2.1. Open University-Modelle**
    261 Das Open University-Modell, das auf den grundlegenden
    262 Ansätzen und Erfahrungen der 1969 gegründeten Open
    263 University (OU) in Großbritannien aufbaut, erfreut sich
    264 zunehmender Beliebtheit – auch außerhalb des Vereinigten
    265 Königreichs. Das Konzept sieht vor, über Fernstudiengänge
    266 Kurse, Zertifikate, Diploma und Universitätsabschlüsse wie
    267 Bachelor of Arts, Master of Arts oder Master of Business
    268 Administration anzubieten und diese auch Personen ohne
    269 formalen Bildungsabschluss zugänglich zu machen. Dabei kommt
    270 den IKT-Medien eine zunehmend gewichtige Rolle zu.
    271
    272 Durch das Abrücken vom Prinzip einer auf Anwesenheit und
    273 getakteter Präsenzzeiten aufbauenden Wissensvermittlung
    274 eignen sich Open University-Modelle in idealer Weise, den
    275 Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte ohne schulische
    276 Hochschulzugangsberechtigung, Personen mit
    277 Familienpflichten, Berufsrückkehrer und auch
    278 Studienabbrecher zu eröffnen und die Durchlässigkeit des
    279 Bildungssystems zu stärken.
    280 Der Ende 2011 beginnende „Wettbewerb Offene Hochschule“ soll
    281 dieses Modell auch vermehrt an Hochschulen in Deutschland
    282 verankern. Ziele sind die Aktivierung und dauerhafte
    283 Sicherung des Fachkräfteangebots, die Verbesserung der
    284 Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer
    285 Bildung, eine Entwicklung passgenauer Studienangebote für
    286 nicht-traditionelle Zielgruppen sowie für
    287 Bachelor-Absolventen, die Etablierung dauerhafter
    288 Partnerschaften zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und
    289 Verwaltung, die Integration neuester Forschungsergebnisse in
    290 die Praxis und die Stärkung internationaler
    291 Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen durch nachhaltige
    292 Profilbildung im lebenslangen wissenschaftlichen Lernen.
    293 Durch den Wettbewerb werden nachfrageorientierte und
    294 bedarfsgerechte hochschulische Weiterbildungsangebote im
    295 Bereich des lebenslangen wissenschaftlichen Lernens
    296 geschaffen und bestehende, vorbildliche Angebote ausgebaut.
    297 Dazu zählen insbesondere berufsbegleitende Studiengänge
    298 sowie entsprechende Studienmodule, duale und
    299 zielgruppenspezifische Studiengänge mit vertieften
    300 Praxisphasen und Zertifikatsangebote. Digitale Lernformen
    301 bieten besonders gute Möglichkeiten, neue Zielgruppen, wie
    302 Berufstätige, für ein Hochschulstudium zu gewinnen, zum
    303 Beispiel als eine Form der tertiären Weiterbildung.
    304
    305 Die Einführung des Wettbewerbs „Offene Hochschule“ flankiert
    306 bereits im Aufbau begriffene Organisationsmodelle und
    307 Kommunikationsformen im Hochschulsystem. Beispielhaft kann
    308 die Virtuelle Hochschule Bayern genannt werden, die sich als
    309 „Verbundinstitut aller bayerischen Universitäten und
    310 Hochschulen für angewandte Wissenschaften“ präsentiert. In
    311 ihrer Selbstdarstellung wird als Ziel genannt, Lehr- und
    312 Lernangebote durch ein IKT-Instrumentarium zeit- und
    313 ortsunabhängig zu gestalten. Dabei werden die Ressourcen der
    314 bayerischen Hochschulen effektiv gebündelt und im Rahmen
    315 gesonderter Kursangebote den Studierenden dieser Hochschulen
    316 zur Verfügung gestellt. Das System unterscheidet sich
    317 insoweit von den klassischen Modellen einer Fernuniversität,
    318 als dass über die synergetische Nutzung von freien
    319 Kapazitäten ein gemeinschaftliches Angebot der
    320 Studierenden-gemeinschaft unterbreitet wird, komplette
    321 Fernstudiengänge jedoch nicht abrufbar sind.
    322
    323 Die aufgezeigten Entwicklungen können als erster Impuls
    324 begriffen werden, der einer viel weitreichenderen
    325 Entwicklung im Hochschulsektor vorangestellt ist. [FN: Der
    326 Trend zu rein über das Internet gehaltenen
    327 Lehrveranstaltungen zeichnet sich international bereits seit
    328 längerem ab: Beispiele sind die Khan-Academy
    329 (http://www.khanacademy.org/), die Plattform Academic-Earth
    330 (http://academicearth.org/) sowie Ende 2011 das Fallbespiel
    331 des amerikanischen Stanford Professors Andrew Ng, der mit
    332 einem Online Kurs über 100.000 Zuhörer erreichte. Das
    333 konsequente Weiterdenken seiner Initiative hat zur Gründung
    334 einer weiteren "Online-Universität" geführt
    335 (http://www.udacity.com/). Die Bereitstellung ausgewählter
    336 Vorträge der TED-Konferenz (www.TED.com) seit 2006 ist als
    337 eine frühere Stufe dieser Entwicklung zu sehen. Sie wurden
    338 bis heute über 500 Mio. Mal abgerufen.] Der zunehmende
    339 Einsatz und die sich bietenden Möglichkeiten von
    340 IT-Technologien in Lehr- und Lernangeboten schaffen eine
    341 zeitliche und räumliche Flexibilität, die Lehre und das
    342 Lernen zunehmend zeit- und ortsunabhängig gestalten zu
    343 können, wodurch sich auch zusätzliche Effizienzgewinne
    344 ergeben. [FN: Anmerkung: Ein Referenzrahmen zur
    345 Qualitätssicherung und -entwicklung von E-Learning-Angeboten
    346 wurde im Rahmen einer Studie des BMBF-Projekts KoOP
    347 entwickelt. Vgl.: Schulmeister, Rolf/Mayrberger,
    348 Kerstin/Breiter, Andreas/Fischer, Arne/Hofmann, Jörg/Vogel,
    349 Martin: Didaktik und IT-Service-Management für Hochschulen.
    350 Referenzrahmen zur Qualitätssicherung und -entwicklung von
    351 eLearning-Angeboten. Bremen/Hamburg: 2008. Online abrufbar
    352 unter:
    353 http://www.mmkh.de/upload/dokumente/Referenzrahmen_Qualitaet
    354 ssicherung_elearning_April09.pdf. Die Effekte des Einsatzes
    355 von digitalen Lehr- und Lernmedien auf die
    356 Ausbildungskapazität untersucht eine 2008 erschienene
    357 HIS-Studie. Vgl.: Kleimann, Bernd: Kapazitätseffekte von
    358 E-Learning an deutschen Hochschulen. HIS Forum Hochschule
    359 6/2008, Online abrufbar unter:
    360 http://www.his.de/pdf/pub_fh/fh-200806.pdf. Mit den
    361 Marktpotenzialen und Förderstrategien anderer Nationen im
    362 Bereich E-Learning setzt sich das Hintergrundpapier
    363 eLearning in Forschung, Lehre und Weiterbildung im Ausland
    364 des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen
    365 Bundestag auseinander. Vgl.: Revermann, Christoph: eLearning
    366 in Forschung, Lehre und Weiterbildung im Ausland.
    367 Sachstandsbericht zum Monitoring eLearning. Büro für
    368 Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag.
    369 Hintergrundpapier Nr. 14. Berlin: 2006. Online abrufbar
    370 unter:
    371 http://www.tab-beim-bundestag.de/de/pdf/publikationen/berich
    372 te/TAB-Hintergrundpapier-hp014.pdf. ]
    373
    374 Insbesondere IT-Unternehmen schreiben Live-Online-Seminaren
    375 und Web-based Trainings große Bedeutung zu. Dies gilt sowohl
    376 für die Schulung von Mitarbeitern und Kunden bei der
    377 Einführung neuer Produkte oder Services als auch für die
    378 Information von (Neu-)Kunden im Vorfeld von Präsenzterminen.